Mit der Kunst als Mittel zum Zweck beschäftigen sich Devid Mrusek und sein „Zentrum für politische Schönheit“. Marco Wedel denkt darüber nach, was einen Künstler zu einem Künstler macht und überlegt, wie sich Künstler in die Gesellschaft einbinden können. Außerdem analysiert der Politologe und Musiker, wie viel Egozentrik einem Künstler gut tut und wann ein Werk nur mehr dem Selbstverständnis des Künstlers dient. In seinem eigenen künstlerischen Schaffen versucht er, politisch tätig zu sein. Was beide Protagonisten gemeinsam haben, ist, dass sie Diskussionskultur schaffen und die Leute zum Denken anregen wollen.
Gibt es denn keine Diskussionskultur?
Marco: Ich nehme sie zumindest nicht wahr. Viele Kunstwerke dienen einfach nur der Selbstverwirklichung. Alles ist bunt und inhaltslos. Ich bin auch hier auf der Schmiede, um mit meinem Talk morgen zur Diskussion anzuregen.
Wie willst Du das anstellen?
Marco: Das weiß ich auch nicht so genau, ich bin noch am Experimentieren. Ich hab mich eines Morgens mit einem Flügel an einen U-Bahnhof gestellt und geschaut, was passiert, wenn die Leute in ihre Arbeit hasten, um Geld zu machen und plötzlich Bach ertönt.
Was ist passiert?
Marco: Mein Versuch ist gnadenlos schief gegangen. Es ist genau nichts passiert. Ein anderer Versuch war ein Seminar vom „Zentrum für politische Schönheit“ unter dem Titel „Politik ist eine Kunst“. Da wollten wir den Leuten erklären, wie sie Kunst machen und dabei ein Statement abgeben können.
Devid: Zuerst gaben wir den Leuten die Möglichkeit, darüber nachzudenken, was sie gerne ausdrücken würden und wie sie das tun. Etwa wie die perfekte Staatsform für sie aussieht. Während dieses Prozesses sollten sie sich fragen: „Was will ich machen?“. Die Kunst ist mehr Kanal, als Ziel.
Also geht es hier in erster Linie nicht um die Kunst, sondern um die Art, etwas auszudrücken?
Devid: Ja. Wobei es noch weniger um den Output geht, als um den Input. Über Kunst nehmen die Leute eher etwas auf. Wenn man ihnen erzählt, wie und wo Menschenrechte verletzt werden, berührt es sie nicht. Wenn man etwas künstlerisch darstellen kann, berührt es die Leute viel mehr. Die Kunst ist nicht das Nonplusultra, sondern eine Form der Darstellung. Viele glauben, dass die Kunst schon mit Ästhetik einen Zweck erfüllt. Schönes betrachten könne helfen, moralische Werte zu erkennen.
Das bedeutet?
Devid: Wenn man etwas Schönes ansieht, hat man keine Lust, jemandem etwas Böses zu tun.
Ihr habt Euch auf das Thema Menschenrechte konzentriert?
Devid: Zuerst haben wir uns damit beschäftigt, den Leuten bewusst zu machen, dass jeder im Staat mehr Möglichkeiten hat, als einfach zu wählen und mit zu treiben. Es gibt Möglichkeiten, die man nutzen kann. Dann haben wir uns mit Menschenrechten beschäftig, denn die werden vom Großteil der Leute gar nicht wahrgenommen. Jetzt wollen wir aber wieder mehr zur Idee vom Anfang zurückkommen.
Was sind denn die Möglichkeiten der Leute, die Du vorher angesprochen hast?
Devid: Ein Anliegen war es, Überblick über NGOs und so weiter zu geben. Wobei da auch wieder viele dabei sind, denen der „Protest ein Anliegen ist“. Protest ist oft keine Bewegung, sondern ein Projekt. Viele Leute finden zur Zeit leider nur noch über "Projekte" Zugang. Jetzt gerade findet in Norddeutschland ein Camp von uns statt, für Leute zwischen 18 und 30 Jahren. Wir zeigen den Teilnehmern, wie sie Aktionskunst im öffentlichen Raum veranstalten können. Wir haben da so Kompetenzleute dabei.
Wie zum Beispiel?
Devid: Fassadenkletterer. Also ganz praktische Beispiele. Wir überlegen auch ganz viel, wie man die Leute dazu anregen soll, damit sie Sinnvolles schaffen. Wir werden sehen, wie wir unsere Ahnungen in eine fertige Idee umbauen können.
COMMENTS
Please Login (or Sign Up) to leave a comment