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Der kleine Gnom im Salz

21. 09. 2010, uli

Hier gackert es ganz leise und verhalten. Dort „heppt“ es zweimal. Je weiter man geht, desto lauter wird das Zischen. Bis es plötzlich zum Pfauchen wird, das das Brückengeländer vibrieren lässt. Welcher Kobold hat sich da im alten Salz der Saline versteckt?

Für die Schallzeichen zwischen Salz, Holz und Beton ist kein böser Geist verantwortlich, sondern die zwei Künstlerinnen Karla Spiluttini und Korinna Lindinger. Die beiden haben 2009 den Salzburger Landespreis: Medienkunst gewonnen und ihr architekturbezogenes Projekt heuer auf der Schmiede realisiert. Gänzlich ungeeignet für eine große Vernissage, sorgen die Schallzeichen beim Einzelnen für ein paar Momente Innehalten und einen neuen Blick auf altbekannte Dinge.

Hattet Ihr zuerst die Idee zum Projekt oder kam Euch die Idee, als Ihr den Raum gesehen habt?

Karla: Wir wollten ein ortsspezifisches Projekt entwickeln. Wir hatten die Idee schon beim Medienkunstpreis eingereicht, bevor wir hier waren, aber wir wussten, dass wir das Projekt auf der Schmiede umsetzen bzw. präsentieren werden. Dann haben wir zuerst Fotos vom „Salz“ gesehen und dann haben wir uns den Raum angesehen. Ich habe architektonischen Background, familiär und auch durch mein Studium, und finde den Umgang mit Architektur und Sound sehr, sehr spannend.
Korinna: Ich beschäftige mich eher mit den soziologischen Aspekten in der Kunst. Habe viel mit Spielen, Simulationen und sozialer Interaktion gemacht. Das Soziale im Raum interessiert mich mehr, als der Raum alleine. Aber dieser Raum ist wunderschön. Solche alten Räume haben immer viel Geist und Eigenleben.

Also, was sind die Schallzeichen?

Karla: Wir haben zunächst Stimmobjekte konzipiert. Das sind alles unsere Stimmen, die wir in verschiedenen Lautstärken und Tonlagen aufgenommen haben. Wir haben acht „Exciter“, eine Art von Lautsprecher, angebracht. Wir haben die an die Architektur geklebt, so dass diese selbst zum Klangträger wird. Man merkt es besonders am Geländer, es vibriert mit.
Korinna: Für mich war die größte Herausforderung der Sound. Mit einem unsichtbaren Material zu arbeiten. Man muss sich verlassen können auf das unsichtbare Material. Sonst arbeite ich mit verfügbarem Material sozusagen – haptisch oder zumindest visuell.

Das vibrierende Geländer ist nicht das einzige, das irritiert. Ich habe mich beim Durchgehen auch schon das eine oder andere Mal nach dem Geräusch umgedreht.

Korinna: Ich habe mich schon dreimal richtig erschreckt, als ich meine eigene Stimme schreien hörte. Das ist ein ganz komisches Gefühl. Stimmen in den Raum zu setzen, verwirrt die Leute. Sie schauen sich um und dadurch werfen sie automatisch einen neuen Blick auf den Raum. Sie suchen nach etwas. Das wollten wir auch auslösen.
Karla: Ich habe schon von vielen Leuten gehört, dass sie durch die Schallzeichen stehen geblieben sind, sie so richtig genossen haben und sich den Raum dadurch ganz genau angesehen und dabei auch neu entdeckt haben. Das freut mich unglaublich. Es ist eine Ehre für uns, dass die Leute stehen bleiben und sich durch ihre Neugierde mit dem Raum beschäftigen.

Reagieren die Schallzeichen auf die durchgehenden Menschen?

Karla: Ja wir haben Tracking-Kameras installiert, die via Infrarot die Anwesenheit misst. Wenn mehr Leute über die Brücke gehen, wird das Zischen zum Beispiel härter und intensiver.

Aber viele Leute können nicht durchgehen, dabei gehen die Schallzeichen unter.

Korinna: Ja. Die Schallzeichen sind genau für diese Durchgangssituation auf der Schmiede konzipiert. Sie sind keine Ausstellung für viel Publikum, kein Werk, das man sich zu zwanzigst ansieht. Aber es ist auch nicht das Ziel, dass man die Schallzeichen immer hören muss. Ich finde auch, es muss nicht jedes Kunstwerk für jede Situation geeignet sein.

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