Schauen – hören – erleben
Medienkunst und –kultur, Performances, Visuals, Videos und Audios, Installationen und Interventionen, ein Feuerwerk der Phantasie, technisch perfekt umgesetzt – das bot wie jedes Jahr auch die Werkschau des 10. MedienKulturFestivals Schmiede12 „ZERO“ am Samstag, 22.9. auf der Pernerinsel in Hallein. Programmhighlights: die Vorstellung des Siegerprojekts zum Salzburger Landespreis für Medienkunst 2012 „From Darkness“ des Künstlerkollektivs „gold extra“ durch LHStv. David Brenner und natürlich der Performance Walk mit Michael Hackl und seinem Team.
Am 22.9. öffnete die Schmiede12 zum letzten Mal für 2012 die Tore der Alten Saline auf der Pernerinsel: Schauen – hören – erleben – über hundert Interessierte konnten sich ein Bild machen, wie vielfältig die rund 230 Smiths seit dem 13.9. ihre Kreativität im inspirierenden Ambiente der Alten Saline ausgelebt haben. Wie jedes Jahr ein Abend voller Erlebnisse für Augen, Ohren und Geist. Die reale Schmiede schließt damit wieder für ein Jahr die Tore. Nun wird im virtuellen Netzwerk gearbeitet, bis es im Herbst 2013 wieder heißt: Auf zum nächsten Playground of Ideas.
The winner is: Salzburger Landespreis Medienkunst 2012 für „From Darkness“ von „gold extra“
Den symbolischen Scheck über € 10.000,00 für das von einer Jury des Landes Salzburg ausgewählte Konzept „From Darkness“ nahmen Reinhold Bidner und Georg Hobmeier vom Künstlerkollektiv „gold extra“ von LHStv. David Brenner entgegen. Tobias Hammerle, Doris und Sonja Prlic sowie Karl Zechenter waren über eine pfiffige Videoeinspielung, die den ersten Höhepunkt des Abends darstellte, virtuell anwesend. Juror Michael Hackl stellte das Konzept vor: „gold extra“ beschäftigt sich mit Serious Gaming, das sind Computerspiele mit mehr als nur spielerischer Intention. In „From Darkness“ möchte „gold extra“ ein Spiel realisieren, das inhaltlich an das erste Spiel „Frontiers“ anknüpft. Es geht wieder um das brisante Thema Migration. „Frontiers“ beschäftigte sich mit der Festung Europa und der Schwierigkeit für Migranten, nach Europa zu kommen. In „From Darkness“ sollen nun die wirtschaftlichen und politischen Ursachen für die Flucht der Menschen vom afrikanischen Kontinent thematisiert werden – damit der Anwender während des Spielens einen möglichst „hautnahen“ Eindruck bekommt, was Menschen tatsächlich dazu bewegt, ihre Heimat zu verlassen. Dokumentarisches Material wird in die fiktive Spielhandlung integriert.
In seiner engagierten Rede würdigte LHStv. David Brenner zum einen die Bedeutung des „pulsierenden Medienkunst-Festivals Schmiede Hallein für das Kulturland Salzburg, das sich nicht auf Mozart reduzieren lassen darf.“ Brenner strich auch den Ansatz von „gold extra“ heraus, „mit ihrem Beitrag zur Asyldebatte neue Räume für offene gesellschaftliche Themen zu erschließen. Damit erfüllt „gold extra“ einen wichtigen Anspruch unserer Zeit an die Kunst.“
„From Darkness“ versteht sich als Experiment, um dem Anwender mit der Verbindung von Dokumentation und Spiel komplexe Zusammenhänge aufzuzeigen. Wir freuen uns auf die Umsetzung.
Schmiede12: die Projektpräsentationen
Mit Witz und Esprit präsentierte Moderator Michael Hackl im Anschluss an die Verleihung des Medienkunstpreises sechs Videos, die einen schräg-bunten Querschnitt durch die Projekte gaben, die vom 13. bis 22.9. auf der Pernerinsel entstanden sind bzw. vorangetrieben wurden – das erste von „gold extra“: die Schmiede12 wurde – dank der Langsamkeit der Post, die den wesentlichen Bestandteil des geplanten Projekts eines elektronischen Dudelsacks nicht zeitgerecht zustellte – laut Reini Bidner zu einer „Ideen- und Einreichschmiede“. Die weiteren Beiträge von Bruno Pelaez, Los Dissidentes, Yogi & Peter, Cinema Vertigo und des Teams „Zeit ist Held“ machten deutlich, warum das erste Mal seit dem Bestehen der Schmiede der Platz auf dem Areal der Alten Saline knapp wurde. Den Nerv unserer Gesellschaft traf die interaktive Ausstellung „Zeit ist Held“ – sie beeindruckte das Publikum mit Installationen zum Thema Umgang mit der Zeit und Entschleunigung.
Und dann: der Performance-Walk … !
Dann wurde die ganze Saline zur Bühne: Michael Hackl als Zeremonienmeister führte das Publikum beim Performance-Walk auf eine phantastische Reise durch Performances, Klänge, Installationen und Interventionen – quasi als Teaser damit jeder Besucher dann die Projekte seiner Wahl nach Lust und Laune und noch in Ruhe sehen, hören, wahrnehmen konnte - „Work in Progress“ zum Anfassen und die Möglichkeit zum direkten Dialog Smiths – Publikum und umgekehrt.
Den Auftakt bildeten zwei Performances im Salz von Cinema Vertigo, getanzt von Anna Schauberger sowie von Walter Steinacher und Sara Marin. Dann füllten Martina Stock (Harfe) und Christian Schratt (Hang) den Elektroraum mit Sphärenklängen, umrahmt von der „Space Time Helix“ von Michela Pelusi.
„74R505“ – ein raumfüllendes Objekt von Jasmin Hagleitner, Caroline Wimmer, Raimund Schumacher, Darren Kirwan, Tim Schenk, Micha Pichlkastner – diente als Projektionsfläche, bevor dann ein letztes Mal „Cloud Chamber Diaries“, die audiovisuelle Installation von DEPART Leonhard Lass und Gregor Ladenhauf zu sehen war. Weiter ging es zur Performance „Dying Eyes“ einer Künstlergruppe rund um Ya-chu Kang. Im Verdampferturm warteten die interaktiven Installationen „Hine(a)ct“ von LWZ, Motzi, Irs+Eva und „Hypercube“ von Emanuel Andel, Antoni Raijekov, Andreas Haider, Matthias Husinsky. Rauf ging es in den zweiten Stock, wo Robert Praxmarer, Nicolas Psaroudakis, Florian Berger die Teilnehmer am Walk zu ihren interaktiven „FloorProjections“ einluden. Den Schlusspunkt bildete die Performance „Wir werden dann schon mal gewesen sein“ – die Hauptdarsteller neben den Performern der Gruppe mulde_17: Holzstaffeleien, die zuerst zum Leben erweckt und dann mit Folie und Paketband zu einer chaotischen Skulptur verbunden wurden.
Weiters während der Schmiede12 „ZERO“ entstanden und im Areal der Saline zu sehen (aufgelistet in der Reihenfolge des Abendprogramms): „Masked Past“, „130 Farben“, der Kurzfilm „The Day and the Place out of the Tune“, „Fadenskizzen“, die Performance „The Invention of Intimacy“, die Installation „Other people’s thoughts“, die die Gedanken der TeilnehmerInnen in Sprechblasen über die Wand des Stiegenhauses wandern ließ. „Lasergraph“, die Schneeinstallation „White visual noise“, „Untitled“, die Geräuschinstallation „TBA“, die Zeichnungen „I don’t know yet“, die Installationen „Nothing“, „Experimental pinhole cave“, „Silbenwerfer“, „Uncertain paths“, „Höhle“, „Formationen“, „Langsam, mit inniger Empfindung“, „Goldrausch“ und „Filrouge“, sowie die Performance „Romantic Zero“.
Das war die öffentliche Schmiede12: Vernissagen, Talks, Unternehmertum im Netz, Filme, Konzerte, Installationen und viel Interesse
Die öffentlichen Programmpunkte der Schmiede12 starteten am 13.9. mit der – gut besuchten – Vernissage „IO“ im kunstraum pro arte (noch bis 8. Oktober zu sehen). Am 14.9. eröffnete die Wanderausstellung des „Nomadic Village“ ihre Tore. Ab 19.9. zu sehen die interaktive Ausstellung „Zeit ist Held“ zum Thema Umgang mit der Zeit.
Auch 2012 wieder auf dem Programm: Die SchmiedeTalks – heuer zu so vielfältigen Themen wie die Weiterentwicklung des „Cinema Vertigo“, „Collaborative Production“ des Kunstmagazins „DER GREIF“, „Barrierefreie Medien“ und „Art Based Research“.
Das erste Schmiede-Wochenende stand ganz im Zeichen von Gidsy (www.gidsy.com) – ein Online „Marktplatz“ für die ganz besonderen Ereignisse für Individualisten. Eine Gidsy Experience führte die Schmiede dann zum langjährigen Partner und Unterstützer Trumer Privatbrauerei nach Obertrum: Vor einer Führung mit Bierverkostung hatten vier SounddesignerInnen exklusiv die Möglichkeit, in der Brauerei Sounds einzufangen, die dann zu Soundclips verarbeitet wurden.
Viel positive Resonanz vom Publikum erfuhr auch wieder das Künstlerduo DEPART, das 2012 mit der zuvor in New York im Austrian Cultural Forum präsentierten Installation „Cloud Chamber Diaries“ begeisterte. Davor standen 7 international preisgekrönte Kurzfilme des Future Shorts Summer 2012 auf dem Programm.
A propos Film: Zwei Abende standen ganz im Zeichen von Schmiede Dokumentationen – „Isch Schmag Disch“ zeigte in Form eines 40minütigen Spaziergangs durch die Saline einen Querschnitt durch die Produktionen, die 2003-2011 auf der Pernerinsel entstanden sind. Weiters wurden auch die einzelnen Dokumentationen zu jeder der vorangegangenen neun Schmiede-Veranstaltungen gezeigt.
Auch die Musik kam nicht zu kurz: Der Bogen reichte von den klassischen Sphärenklängen von Harfe und Hang des Duos CIFERENCE SYMPHONY über heißen Desertrave von „drama und stern“, Gesang + Elektronik + Piano + von Hand erstellte Visuals von „Koschka & Heimprofi“ bis zum trockenen Rock des „Everyman Orchestra“.
Und natürlich hieß es auch „We proudly present: Di-A-Log“, die Umsetzung des Salzburger Landespreises: Medienkunst 2011 in einem Live Set von und mit Andreas Gröstlinger, Sebastian Kargl und Team.
Fazit: Wieder hat sich die Alte Saline auf der Pernerinsel als anregende Umgebung für Kreative bewährt. Auf Wiedersehen 2013!
Weitere Infos zur Schmiede12 im Web: www.schmiede.ca und www.facebook.com/schmiedehallein