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SchmiedeTalk

18. 09. 2012, ruediger

Barrierefreie Medien am Beispiel von SoundGuard und StudioGuard System

Blinde Menschen hören nicht unbedingt besser, aber blinde Menschen hören ihre Umwelt mit erhöhter Aufmerksamkeit. Das stellt an sich eine ideale Voraussetzung für die Arbeit im Bereich professioneller Audioproduktion dar. Es gibt dementsprechend viele blinde MusikerInnen und AutorInnen. Trotzdem arbeiten aber kaum sehbehinderte Menschen im Ton- oder Radiostudio  bzw. im eigenen Homestudio, um ihre eigene Musik oder Hörbücher, Hörspiele und Radiosendungen zu produzieren. Das liegt - unter anderem – daran, weil die Anzeigen der technischen Parameter und die Bedienelemente auf Mischpulten rein optisch ablesbar sind. Das StudioGuard System hilft diese Barrieren zu überwinden. Es übersetzt visuelle Anzeigewerte in elektronische Blindenschrift und Sprachausgabe in beliebigen Sprachen.

Der Schöpfer von Studioguard System, Marcus C. Diess, Radioaktivist und Sounddesigner, stellte StudioGuard, ein Open-Source-Projekt auf Basis verschiedener Arduino-Boards vor.

Die Arbeit für Ray Charles – es ging um Etikettierungen in Brailleschrift zur Orientierung am Mischpult– im Jahr 1996 konfrontierte Diess das erste Mal mit der Problematik, dass Orientierung für blinde Menschen in Tonstudios so gut wie unmöglich ist. 2004 entstand dann das erste Konzept für den StudioGuard Prototypen am Papier.

Einen Quantensprung in der Entwicklung bildete das erste Arduino-Board – weg von analoger zu digitaler Technik. Heute ist StudioGuard dank Arduino-Boards in der Lage, 2 Sprachen auszugeben. Diess entwickelte eine Systematik, die diversen Anzeigen in Braille Shortcuts wieder zu geben. Im nächsten Schritt wurde eine Audio-Umsetzung der Anzeigen ausgearbeitet. Inzwischen gibt es eine einfache Version für die Homestudios und eine Profi-Version – mit diversen zusätzlichen Ausgabemedien. Ziel ist, dass die StudioGuard Hardware einfach und dadurch nachbaubar ist bzw. aus Standardkomponenten besteht.

Die Vision: Große professionelle Mischpulte werden zusätzlich mit einer StudioGuard-Leiste ausgestattet und der gesamte Workflow in einem Tonstudio ist für blinde Menschen unterstützt. Auf dem Weg dorthin wurde StudioGuard 2009-2011 im Rahmen des EU-Projekts „Earviews“, einer Kooperation von Free Radio Salzburg, Radio-Z Nürnberg und Blinde und Kunst e.V. Köln weiter entwickelt. Seit September 2012 gibt es eine Kooperation mit dem Future Lab der Ars Electronica.


contact: studioguard@wavesound.at
Mehr: studioguard.eu; studioguard.com
 

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