News

Smith10 Interview: Claudia Rohrmoser

19. 02. 2011, ruediger

Cinema Vertigo @ Schmiede

Labor für Medienfassaden

Die interaktive Videowall „Cinema Vertigo“ gewann 2008 den neuen Landeskulturpreis „Podium“. In den Hallen der Schmiede wurde das Projekt zu diesem Anlass auch erstmals in Szene gesetzt. 2010 zählte die Medienfassade zu den fix installierten SchmiedeProduktionen und stand den Teilnehmern zur Verfügung, um bespielt zu werden. Die Smiths konnten hier unter Betreuung von Claudia Rohrmoser und Benjamin Hohnheiser ihre Videos, Visuals, Animationen, Sound und Spiele veröffentlichen oder Cinema Vertigo als Hintergrund/Bestandteil ihrer Projekte verwenden.
Schöpferin Claudia Rohrmoser sorgt gemeinsam mit ihrem Partner Marcel Schobel für den regen Austausch mit Berliner Künstlern. Beide leben und wirken in Berlin, sind seit 2006 fixer „Bestandteil“ der Schmiede.

Schmiede: Was war Deine Motivation, ein derart aufwendiges Projekt zu kreieren?

Claudia Rohrmoser: Die Idee und Motivation zu Cinema Vertigo kam aus meiner eigenen Arbeit als Videokünstlerin, denn für meine Arbeiten gab es kaum Möglichkeiten zur öffentlichen und formatgerechten Präsentation. Raumgreifende Videoinstallationen muss man sich in Salzburg selbst organisieren und aufbauen, was natürlich einen enormen technischen und finanziellen Aufwand mit sich bringt. Die Räumlichkeiten der Schmiede waren wie gemacht für eine außergewöhnliche Installation. Offenbar hat das Konzept dann auch die Förderer des Landes Salzburg (Podium08) überzeugt.


Schmiede: Wie ist Cinema Vertigo dann zwei Jahre später zum fix installierten Projekt auf der Schmiede geworden?

Claudia Rohrmoser: Der Aufwand der Installation lohnte sich nur, wenn diese Plattform längerfristig auch anderen Künstlern zur Verfügung stehen kann. So kam es zu einer weiteren Installation auf der Schmiede 10, die viele Teilnehmer inspiriert hat und einen erstaunlichen Output zu Tage gebracht hat.


Schmiede: Wie wurde das Projekt denn von den Smiths 2010 angenommen? Wurde viel an Ort und Stelle produziert?

Claudia Rohrmoser: Das Interesse von Künstlern aus verschiedenen Sparten, war groß. Da war Tanz, Video, Grafikdesign, Musik und auch Literatur/Poesie darunter. In sehr kurzer Zeit entstanden ganz unterschiedliche und interessante Arbeiten. Benjamin Hohnheiser betreute die Gruppen, viel entstand auch aus dem Eigenengagement der Smiths.


Schmiede: Die Schmiede und Du –wie kam's dazu und warum kommst Du "alle Jahre wieder"?

Claudia Rohrmoser: Die Schmiede wurde zu einer wichtiger Schnittmenge zwischen einem Treffpunkt mit meinen österreichischen und Berliner Freunden und einer Möglichkeit, in meiner freien, kreativen Arbeit mit neuen Leuten zu kollaborieren. Damit mich der Alltag in der Medienbranche und Uni nicht ganz absorbiert, ist es wichtig für mich, jedes Jahr ein bisschen Frischluft auf der Schmiede zu schnappen.

Schmiede: Wo siehst Du das Potential des Medienkulturfestivals?

Claudia Rohrmoser: Wenn sich die Strukturen noch weiter professionalisieren, kann die Schmiede zu einer sehr interessanten Veranstaltung für Kreative und Künstler im Medienbereich werden. Da wir häufig im Team arbeiten und auch Öffentlichkeit brauchen, sind für uns alle dauerhaften Kontakte zu anderen interessanten Protagonisten der Kunst- und Medienszene wichtig. Die SchmiedeGemeinschaft ist auf eine ganz eigene, sympathische Art miteinander verbunden, da es auch noch viele andere „treue“ Smiths wie mich gibt.


Schmiede: Wie beschreibst Du die Veränderungen der Schmiede? Wie war sie am Anfang? Wie hat sie sich entwickelt?

Claudia Rohrmoser: Schmiede ist jedes Jahr anders. Ich finde, sie wird mit uns erwachsen, und das ist toll.

Schmiede: Welche persönlichen Synergien hast Du auf der Schmiede geknüpft?

Claudia Rohrmoser: Vor allem Rüdiger Wassibauer wurde zu meinem wichtigen Partner für Projekte und die Umsetzung von Ideen. Nebenbei habe ich mit zahlreichen anderen Leuten über die Schmiede begonnen, zusammenzuarbeiten.


Schmiede: Die "Berlin Connection" – Du hast ja eine ganze Menge Künstler "auf die Schmiede geholt".

Claudi Rohrmoser: Das hat ja Marcel vor allem vorangetrieben. Wir bringen gerne unsere „Berliner“ mit, da die Schmiede im Prinzip so funktioniert wie unsere Wahlheimat, nur ein bisschen besser. Die Leute aus Berlin finden sich ganz schnell im Schmiedemodus zurecht und die „Mischung“ zwischen internationalen und deutschsprachigen Künstlern ist sehr spannend und produktiv.


Schmiede: Wie würdest Du jemandem die Schmiede beschreiben, der weder von der Veranstaltung, noch von der Materie Ahnung hat?

Claudia Rohrmoser: Wer sich in Berlin herumtreibt, für den ist es nicht schwer zu verstehen. Wenn ichs meiner „Oma“ erklären soll, dann wäre das: Ein Treffpunkt für junge Leute, die gemeinsam ihre Ideen umsetzen wollen. In zehn Tagen.


Schmiede: Salzburg und die Schmiede – wie passt so ein Medienkulturfestival zu dieser Stadt? Beziehungsweise zu Hallein.

Claudia Rohrmoser: Wird schon werden. Werbung ist wahrscheinlich wichtig. Salzburg ist nicht ausdrücklich eine Stadt, in der es viel Neugier oder Lust auf Experimente gibt. Die Subkultur ist stark, wenn auch klein. Ich kenne Salzburg zu gut aus meiner Jugend, um nicht voreingenommen zu sein. Außerdem lebe ich jetzt seit 12 Jahren in Deutschland und da geht dann auch der Sinn für eine realistische Einschätzung verloren.
Andererseits halte ich es für wichtig, dass es auf der Schmiede (im Gebäude) und in Salzburg im allgemeinen so schön ist. Das ist ja sonst auf Medienkunstfestivals meistens nicht so. Zumindest kommen die „Berliner“ auch deswegen immer so gerne nach Hallein.

Tell People:

COMMENTS

Please Login (or Sign Up) to leave a comment

Actions